Viktor Orbáns Interview in der Sendung „Fakten“ des

Fernsehsenders TV2
27. September 2020

Gábor Gönczi: Ich begrüße im Studio Viktor Orbán, Ungarns Ministerpräsidenten! Wir
danken Ihnen, dass Sie zu uns gekommen sind.

Guten Abend!

Wir zeichnen dieses Gespräch am Samstag, dem 26. September auf. Herr Ministerpräsident,
wir sind heute Morgen mit zwei sehr wichtigen Nachrichten erwacht. Die eine ist, dass man
von Freitag auf Samstag bei 950 weiteren Bürgern die Coronavirusinfektion nachgewiesen
hat und die Zahl der Todesopfer um 12 Personen angestiegen ist. Das ist offensichtlich sehr
traurig, und hinsichtlich der Sterbedaten ist dies ein Rekord in der zweiten Welle. Die zweite
Nachricht ist erfreulicher, nämlich dass eine große internationale Ratingagentur die
Einstufung Ungarns hinsichtlich der Kreditwürdigkeit von stabil auf positiv geändert hat. Das
eine unserer Augen von uns Durchschnittsmenschen weint, das andere lacht. Wie sieht das für
den Ministerpräsidenten aus?

So, dass das eine Auge stärker weint als das andere lacht, denn die Wirtschaft wird man
irgendwie in Ordnung bringen können, man wird das Wachstum wieder vorantreiben können,
aber die verlorenen Leben können wir nicht zurückbringen, sodass ich den Familien mein
Beileid aussprechen möchte, die ihre Angehörigen verloren haben. Es ist eine wichtige Lehre:
Die Alten befinden sich auch weiterhin in Gefahr. Wir befinden uns also im aufsteigenden
Zweig der Epidemie. Wir können zwar auch gesondert über Wirtschaft und Gesundheit reden,
doch unser ganzes Leben wir jetzt von der Epidemiegefahr überschattet, und die Wahrheit ist,
dass sich die Epidemie auf einem aufsteigenden Ast befindet. Ich möchte niemanden
irreführen, ich möchte also geradeheraus sprechen. Die Lage ist schwierig, und es lastet jetzt
ein großer Druck sowohl auf dem Gesundheitswesen als auch auf dem Unterrichtswesen, aber
ganz besonders auf unseren Krankenhäusern, und er wird auch in den kommenden Monaten
auf ihnen lasten.

Fange wir dann mit den Bezügen zum Gesundheitswesen an. Jetzt ist ja die
Verteidigungsstrategie eine grundlegend andere als während der ersten Welle. Was ist die
Grundlage dessen?

Ja, aber am ehesten deshalb – dies pflegen nur wenige Menschen zu durchdenken –, da wir
dem Punkt näher sind, dass es einen Impfstoff gibt, also die Verteidigung unterscheidet sich
jetzt nicht nur darin, dass man das Land nicht auf Sparflamme stellen, die Kontakte nicht
einschränken und das Land stoppen musste, was die Menschen im Übrigen meiner Ansicht
nach ausgezeichnet gelöst haben, denn die Regierung steuert zwar die Verteidigung, jedoch
halten die Menschen das Land am Funktionieren. Und nicht zufällig gehörten wir im Frühjahr
zu den 20-25 sich am besten verteidigenden Ländern der Welt, dass wir die Flamme
herunterdrehen und die Zahl der Kontakte vermindern mussten. Doch weicht die
gegenwärtige Verteidigung nicht nur darin davon ab, dass wir dies nicht tun, wir lassen jetzt
das Land funktionieren, sondern auch darin, dass im März noch niemand wusste, wann es
einen Impfstoff geben wird. Auch jetzt kann ich Ihnen Ihre unausgesprochene Frage nicht
beantworten, wann es den Impfstoff geben wird, aber ich weiß: Wir sind ihm näher. Wir
verhandeln ständig mit den Amerikanern, den Japanern, den Chinesen, den Russen, und wir
verhandeln nicht nur, sondern wir haben auch Geld in die durch die Europäische Union
unterstützten europäischen Forschungsprogramme gesteckt, und spätestens sagen sie jetzt –
ich komme im Übrigen jetzt aus Brüssel, gestern und vorgestern war ich dort –, und in
Brüssel rechnet man damit, dass es spätestens Mitte des kommenden Jahres den Impfstoff
geben wird, doch die Amerikaner halten auch schon das Ende dieses Jahres für möglich.

Das ist ja eine großartige Nachricht, Herr Ministerpräsident! Dies haben wir
niedergeschrieben noch nirgendwo gesehen.

Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf…

Dies, diese Nachricht haben Sie uns jetzt mitgebracht.

Ja, aber im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf spricht der Präsident schon darüber
und am Donnerstag habe ich die Frau Kommissionspräsidentin getroffen, und dort wurde im
Laufe der Gespräche gesagt, wir sollten damit rechnen, dass es vor der Halbzeit des
kommenden Jahres sicher keinen geben wird. Die Chancen sind ansonsten nicht schlecht. Den

russischen Impfstoff hat – wenn ich das richtig sehe – auch die WHO noch nicht akzeptiert,
mit dem sind wir vorsichtiger. Der chinesische ist ziemlich ermutigend und auch die Japaner
kommen gut voran, ich habe also den Eindruck, dass vier-fünf große Kraftzentren der Welt
den Impfstoff der Welt im kommenden Jahr werden anbieten können, der in der Lage sein
wird, das Virus aufzuhalten.

Gut. Das liegt innerhalb einer absehbaren Zeit.

Und dann wird es eine Katharsis, eine Erleichterung, eine Befreiung geben, aber bis dahin
wird noch sehr viel…

Wir müssen erst dort ankommen.

So ist es. Jetzt war im Sommer die Frage, wie wir uns dann verteidigen sollen, wenn die
zweite Welle ankommt, denn wir wussten, sie wird ankommen. Und aus diesem Grund haben
wir die nationale Konsultation organisiert, denn bei der Verteidigung ist nicht nur wichtig,
dass sich viele kluge Menschen, Mathematiker, Experten der öffentlichen Verwaltung am
richtigen Ort befinden, sondern auch, den Menschen ein Rezept der Verteidigung anzubieten,
das sie akzeptieren. Sie sind dadurch nicht glücklich, sie müssen mit ihm nicht einverstanden
sein, aber sie sagen: „Wir sehen ein, dass das notwendig ist. Wir helfen den
Verteidigungsplan durchzuführen.“ Und man muss Punkte des Einverständnisses schaffen.
Dies können wir etwas pathetisch auch als nationale Einheit bezeichnen. Die Nationalen
Konsultationen dienen gerade diesem Zweck, und daraus konnte ich herauslesen, was die
Menschen denn wollen. Und klar ist, dass sie sagen, sie wollen sich verteidigen, aber sie
wollen nicht, dass das Land wieder erstarrt. Also ist die Schlussfolgerung, wie ich das zu
sagen pflege, dass das Land, Ungarn, funktionieren muss. Die Regierung soll eine Lösung
finden, damit wir die Alten beschützen, die Schulen geöffnet sind und das Leben funktioniert.
Da bitten die Menschen nicht um wenig, das ist eine sehr schwierige Aufgabe, doch wenn die
im Gesundheitswesen Arbeitenden durchhalten, denn in ihren Händen liegt der Schlüssel zur
Lösung der Lage, wenn sie es lösen können, da sie die Arbeit verrichten können, und wenn sie
die immer weiter zunehmende Last seelisch ertragen können, die uns in den kommenden
Monaten bevorsteht, dann ist es möglich, dann schaffen wir es. Das wird gelingen, ebenso wie
es auch im Frühling gelungen ist.

Im Gegenzug haben wir ja versprochen, die Regeln einzuhalten. Halten wir die Regeln ein?

Der Sommer ist ein großer Verführer oder ein großer Kuppler. Das war auch jetzt so, aber der
Herbst, der hilft, denn er kühlt das Temperament, und jetzt halten die Menschen die Regeln
viel mehr ein als sie es im Laufe des Sommers getan hatten. Es gibt drei einfache Regeln, die
Hygienevorschriften, Händewaschen usw., die Maske dort, wo wir uns in geschlossenen
Räumen befinden, und zumindest soviel Abstand wie der, der sich jetzt zwischen uns
befindet.

Wenn es Probleme gibt, interessiert es ja die Menschen am meisten, ob sie in Sicherheit sind.
Was bedeutet die Sicherheit? Können wir im Krankenhaus liegen, erhalten wir Medizin, wenn
es ein größeres Problem gibt, erhalten wir ein Beatmungsgerät? Kann jenes Beatmungsgerät
jemand einschalten?

Ich besuche die Krankenhäuser, ich kann die Menschen also aus erster Hand informieren und
auch Ihnen antworten. Es gibt genug. Es ist schwer, sehr schwer für die Ärzte und die
Krankenschwestern, aber es gibt überall Ärzte und Schwestern. Natürlich wünscht man sich
überall, und es wäre auch gut, wenn es mehr von ihnen gäbe, doch gibt es überall Instrumente
in ausreichender Zahl, ob es sich nun um Betten, Schutzausrüstungen oder eben
Beatmungsgeräte handelt. Am schwierigsten ist es mit den Menschen. In solchen Zeiten muss
man ja kommandieren, oder – um sanfter zu formulieren – umgruppieren. Das macht
niemanden glücklich. Der ist nicht glücklich, der jetzt von der einen Stadt für einige Monate
in eine andere Stadt umziehen muss, und auch die sind nicht glücklich, zu denen Menschen
kommen, denn natürlich freuen sie sich, dass neue Leute gekommen sind, aber die Neuen
muss man einweisen, sie kennen den Ort nicht usw. Das alles bedeutet also zusätzliche Arbeit.
Ich verstehe also, dass das Kommandieren und das Umgruppieren nie populär sein werden,
aber wir können es nicht anders lösen, damit das Gesundheitswesen funktionsfähig bleibt, nur
mit Umdirigieren, da wir ein stufenweises Verteidigungssystem haben. Wir haben die ersten
acht Krankenhäuser als Seuchenschutzkrankenhäuser ausgewählt. Jetzt bringen wir die
Kranken dorthin. Wenn sie keine Kapazitäten mehr haben, wenn sie voll sind, dann folgt die
zweite Stufe. Wenn auch sie voll ist, kommt die dritte Stufe. Und die Menschen, das heißt die
Schwestern, die Ärzte müssen immer auf die Weise und dorthin dirigiert werden, wo sie
gerade benötigt werden. Das ist das für sie am meisten belastende, ich bin ihnen also dankbar

und ich glaube, ich kann in unser aller Namen sprechen, dass wir den Mitarbeitern des
Gesundheitswesens Dank dafür schulden, dass sie all das auf sich nehmen.

Sie haben früher erwähnt, Herr Ministerpräsident, dass wir auf Österreich wie auf ein
Versuchslabor blicken können, was sich dort bewährt hat, das wird sich auch bei uns
bewähren, was sich dort ereignet, das wird sich dann auch bei uns ereignen. Gibt es jetzt ein
Land, auf das es sich lohnt zu achten? Oder übt Österreich noch immer diese Rolle aus?

Österreich hat noch diese Rolle, doch hört die Welt nicht an den Grenzen Österreichs auf. Im
Großen und Ganzen verstehen wir, verstehe ich, was in der Region geschieht. Ich sehe die
Ukraine, ich sehe Rumänien, ich verstehe, warum es so ist, wie es ist. Wir folgen Österreich,
da es unsere Meinung ist, dass sich das, was sich in Österreich ereignet, mit einiger
Verzögerung dann in Ungarn ereignen wird. Der einzige Ort, den ich nicht genau verstehe, ist
Tschechien, wo es wilde Zustände gibt, und irgendwie sind die Zahlen explodiert. Darauf
müssen wir achten, die Tschechen kommen ja rüber zu den Slowaken, die Slowaken können
noch nach Ungarn kommen, wenn auch nur wegen des Geschäfts, man kann sich bewegen,
man muss also auf die Tschechen immer achten. Sie sind im Übrigen zum Teil ein kluges
Volk, sie sind ja auch etwas entwickelter als wir, und jetzt ist dort etwas geschehen, vor dem
wir uns schützen müssen. Ich halte die Schließung der Grenze auch weiterhin für wichtig,
denn es stimmt, das Virus zerstört im Inneren, wir übertragen es also hier aufeinander, doch
die Nachschublinien befinden sich an der Grenze, die müssen dort angeschnitten werden.

Sprechen wir ein bisschen über die Wirtschaft. Wir haben ja am Beginn des Interviews
erwähnt, dass die Ratingagentur eine sehr vorteilhafte, für uns sehr vorteilhafte Entscheidung
getroffen hat. Das ist ja der Beweis dafür, dass der Weg, den wir beschreiten, gut ist. Aber er
ist nicht leicht.

Ja. Ich freue mich über die Ermunterung und über jedes positive Zeichen, doch müssen wir
uns letztlich auf eine einzige Sache konzentrieren, das sind die Arbeitsplätze. Wenn es
Arbeitsplätze, wenn es Arbeit gibt, dann wird es alles Geben, Wachstum, gute Ratings, es
wird alles geben.

Wie können wir dies im späteren, im Weiteren schützen?

Nun, wir haben ja drei Möglichkeiten. Die eine ist die, dass – da die Unternehmer am ehesten
den anderen Menschen Arbeit geben – wir den Unternehmern dabei helfen, dass sie Arbeit
geben können. Steuersenkung, Investition, Entwicklung. Das ist unsere Politik. Die zweite
Möglichkeit für den Fall, dass alle Stricke reißen, ist, dass auch der Staat Menschen anstellen
können soll. Das ist bereits eine weniger gute Lösung, doch bietet sie den Familien immer
noch Brot und eine Möglichkeit. Und die dritte ist die öffentliche Anstellung, also das
traditionelle System der öffentlichen Arbeit, was sehr weit davon entfernt ist, in Bezahlung
und der zu verrichtenden Arbeit wünschenswert zu sein, aber wenn es nichts anderes gibt,
dann ist auch das besser als gar nichts. Es wird dort auf alle Fälle im Übrigen im Laufe des
kommenden Jahres notwendig werden, die Löhne für die öffentliche Arbeit anzuheben. Wir
verfügen also über die Instrumente dafür. Jetzt können wir nur sagen, mit göttlicher Hilfe –
denn wir sind nicht in der Lage, alle ökonomischen Zusammenhänge darzulegen – stehen uns
jene Zahlen, jene Fakten zur Verfügung, dass jetzt mehr Menschen in Ungarn arbeiten, als im
Januar gearbeitet hatten, ja es arbeiten sogar mehr als im März. Zuletzt habe ich die Zahl
gesehen – und die Analysen unterstreichen die Richtigkeit dieser Zahlen –, dass mehr als 4,5
Millionen Menschen in Ungarn arbeiten. Die 4,5 Millionen sind eine Trennlinie. Vor zehn
Jahren, als nach den Sozialisten wir die Regierung übernahmen, arbeiteten etwa 3 Millionen
600, 3 Millionen 700 tausend Menschen. Die erste Trennlinie waren die vier Millionen. Viele
Menschen hatten nicht geglaubt, dass man die Zahl der Arbeitenden so hoch steigen lassen
kann. Das ist geschehen. Doch das haben wir bereits hinter uns, jetzt liegt das wahre neue
Zauberlimit, oder die Zaubergrenze bei 4,5 Millionen, und diese haben wir jetzt überschritten.
In meinem Kopf findet sich auch ein Ungarn mit fünf Millionen Arbeitsplätzen, aber das ist
nicht die Aufgabe der nächsten Monate.

Ja, das haben Sie, Herr Ministerpräsident, damals ja auch versprochen. So viele
Arbeitsplätze das Virus zerstört...

Ich habe zwei Versprechungen gemacht, über deren Einhaltung man Rechenschaft von mir
fordern kann. Erstens, dass wir so viele Arbeitsplätze wie das Virus zerstört, wieder
auferstehen lassen oder schaffen. Und die andere Versprechung stammt von vor zehn Jahren,
als ich sagte, wir würden im Laufe von zehn Jahren eine Million Arbeitsplätze schaffen. Hier
hat uns das Virus gebremst, wir waren gut vorangekommen, wir waren gerade in der Höhe
von acht-neunhunderttausend angekommen, als die Epidemie kam.

Wo liegt jetzt das große Problem im Bereich der Beschäftigung?

Die wirkliche Frage ist jetzt nun, ob die Unternehmer in der Lage sind, derartige neue
Arbeitsplätze zu schaffen, die wettbewerbsfähiger sind als die bisherigen. Denn jetzt
geschieht nicht nur das in der Welt, was viele annehmen, dass die Arbeitsplätze in der Welt
geschlossen wurden, sagen wir im März-April, und jetzt werden die gleichen wieder geöffnet.
Sondern es geschieht, dass das, was irgendwo geschlossen worden ist und es eine Nachfrage
nach dem Produkt gibt, das wird dann irgendwo anders aufgemacht. Die Betriebe werden dort
eröffnet, die Betriebe werden dorthin gebracht, wo man am wettbewerbsfähigsten produzieren
kann. Also sagen wir, man hat in Frankreich oder in Deutschland einen Betrieb geschlossen,
das bedeutet nicht, dass er auch dort wieder geöffnet wird, sondern es kann geschehen, dass er
irgendwoandershin gebracht wird, sagen wir nach Ungarn oder Polen. Doch um das Gleiche
als Gefahr zu deuten: Dass man in Ungarn einen Arbeitsplatz geschlossen hat, bedeutet nicht
mit Sicherheit, dass er hier wieder eröffnet wird. Wenn wir nicht in ausreichendem Maß
wettbewerbsfähig sind, wenn die Regelungen nicht gut genug sind, die Steuern nicht niedrig
genug sind, wenn unsere Arbeiter nicht gut genug sind, dann nehmen sie den Betrieb mit sich
und öffnen ihn woanders. Es ist also jetzt in der Welt so eine Versetzung, eine
Neuorganisation der Arbeitskräfte-, der Produktionskapazitäten. Das ist ein Wettbewerb, denn
wir müssen uns dazu anmelden, das ist übrigens die Aufgabe von Péter Szijjártó, diese
Anmeldung abzugeben und in diesem Rennen gut zu laufen. Er ist ein flinker Mann, das
können auch Sie sehen, meiner Ansicht nach sind die Chancen auch gut.

Ja. Viele Stimmen sagen ja, in Krisensituationen könne man viel wachsen, von dort aus könne
man einen großen Sprung machen. In dieser Hinsicht gibt es häufig Menschen, die sich über
die Krise freuen.

Unsere Strategie, das heißt die Regierungsstrategie ist die, dass wir die Verteidigung im
Gesundheitswesen durch den für das Gesundheitswesen zuständigen Operativen Stab
versehen lassen, den Sándor Pintér leitet und zu dem Herr Minister Kásler die medizinische
Unterstützung gibt. Den Schutz der Wirtschaft haben wir dem für den Schutz der Wirtschaft
zuständigen Stab übertragen, diesen leitet Mihály Varga und er befindet sich gerade in der
Kurve beim Überholen, es ist also eine Aufgabe in der Krise einen Vorsprung zu erlangen,
und gerade dies, wie man in der Krise die Möglichkeit finden, erkennen und diese zu unserem
Vorteil wenden kann, diese Arbeit leitet Péter Szijjártó.

Herr Ministerpräsident, ich bin ein Pester Junge. Wenn ich durch das Land fahre, sehe ich,
dass übrigens an vielen Orten das Leben beinahe in seinem alten, gewohnten Rahmen
verläuft. Der Sommer war herrlich, allein wenn wir nur an den Plattensee denken. In
Budapest habe ich aber doch nicht das Gleiche gesehen. Es war natürlich etwas schmerzhaft,
denn wir haben nicht jenes Leben gesehen.

Nun, Sie werden dies für eine Weile auch nicht sehen. Das besitzt einen sehr einfachen
Grund. Das Geschäftsmodell der Hauptstadt basiert also – in erster Linie im Tourismus und in
der Gastronomie – auf den Ausländern. Auch ich sah mich jetzt mit den Analysen
konfrontiert, laut denen in Budapest die Hotelzimmer zu 93% von Ausländern reserviert
werden. Jetzt beträgt diese Zahl in Paris fünfzig Prozent oder sechzig, und auch in Rom. Die
anderen sind Inländer. Jetzt hat Budapest kein Geschäftsmodell, mit dem es die Ungarn nach
Budapest holen und sie überzeugen würde, hier ein Wochenende zu verbringen. Dieses
Geschäftsmodell muss unbedingt verändert werden, auch dann, wenn das Leben in sein
normales Flussbett zurückkehrt, denn man kann nicht nur auf einem Bein, der durch die
Ausländer ausgelösten Nachfrage stehen. Es muss auch Ungarn hier in Budapest geben und
auch sie müssen Akteure des ungarischen Tourismus, des Budapester Tourismus und der
Gastronomie sein.

Und gibt es dafür im Übrigen gute kurzfristige Ideen?

Nun, wir haben ja sehr viel Geld auch bei den Budapester Unternehmern gelassen. Ich sehe in
der ganzen Welt kaum ein Beispiel, keine so starke Solidarität wie jene, die wir durch unsere
Entscheidung geschaffen haben, indem wir ein Kreditmoratorium verordnet haben, dass man
die Kredite nicht zahlen musste, die Zahlung der anstehenden Raten verschieben konnte,
wodurch wir etwa zweitausend Milliarden Forint bei den Familien und den Unternehmen
gelassen haben. Das war eine sehr große Hilfe für alle, wir haben für die Unternehmen die
Steuern gesenkt. Ich bin also der Ansicht, dass die Regierung sowohl auf dem Land als auch
in Budapest getan hat, was möglich war. Hierbei wäre eine zusätzliche Hilfe nicht schlecht.
Ich befürworte es also, dass jene Regeln für Restaurants, z.B. die Gebühren für Terrassen, es
gibt zahlreiche spezielle Budapester Regelungen, hier könnte man doch den Unternehmern
helfen. Ich sehe die Vorschläge der Budapester Handels- und Industriekammer. Meiner
Ansicht nach ist das die Leitlinie, die es zu verfolgen sich lohnt.

Herr Ministerpräsident, ich frage Sie jetzt als Privatperson. Wir haben diese schrecklichen
sieben Monate hinter uns. Meiner Ansicht nach können wir darin übereinstimmen, dass die
Welt jetzt ein Gesicht zeigt, das wir nicht gern haben. Wir sehen die Welt so nicht gerne. Wie
erlebten Sie als Vater, als Großvater, als Kind Ihrer Eltern diesen Zeitraum? Zu Hause, oder
wenn wir an den Zeitraum der Quarantäne zurückdenken, oder was kann man den alten
Familienmitgliedern und den Jüngsten sagen?

Wenn sich die Frage auf meine Person bezieht, so kann ich Ihnen sagen, ich war im März und
April doch besorgt. Das ist eine Sache, dass ich gleich zu Beginn sah, da dies die
internationalen Studien und die Ärzte klargestellt hatten, dass sich in erster Linie die Alten in
Gefahr befinden und meine 99 Jahre alte Großmutter lebt noch, auch mein Vater lässt
langsam die 80 hinter sich, es gibt also Personen, um die ich mir Sorgen mache. Doch in
Wirklichkeit beobachtete ich, ob – denn der Gegner war unbekannt, wir kannten das Virus
nicht – es sich nicht auf einmal herausstellt, dass nicht nur die Alten, sondern auch die Kinder
in Probleme geraten, denn das wäre eine Katastrophe gewesen. Wenn das also ein Virus ist,
welches nicht nur für die Alten, sondern auch unsere Kinder eine unmittelbare Gefahr
bedeutet, dann wäre ich als Familienvater zwar nicht in Panik geraten, denn dies schließt mein
Arbeitsbereich aus, aber emotional wäre es sehr schwer gewesen. Also den Schutz der Alten
auf irgendeine Weise der Separation, der gesonderten Fürsorge halte ich für möglich, aber
Kinder, die sich wie Flöhe in einem Sack aufführen, das ist eine sehr schwierige
Angelegenheit. Ich hatte also Angst, es würde sich herausstellen, es sei auch für Kinder
gefährlich. Bisher ist keine derartige Mutation des Virus erschienen, die besonders für Kinder
gefährlich wäre, also – wenn ich mich auch nicht zurücklehnen darf, aber – ist das doch eine
seelisch einfachere Situation für Familienväter wie ich einer bin. Und insgesamt kann ich
Ihnen sagen, es wird einen Punkt geben, an dem wir uns aus dieser Situation befreien werden,
der Impfstoff wird vorhanden sein, wir werden es organisieren, dass es für Ungarn den
Impfstoff geben wird, dieser rechtzeitig für alle erreichbar sein soll, die ihn wollen, und wir
werden uns aus diesem Elend befreien, und bis dahin werden wir es aushalten. Das
Gesundheitswesen wird funktionieren, die Wirtschaft wird funktionieren und wir werden
keinen Schritt zurück machen, sondern werden die Chance dafür bewahren, dass Ungarn aus
der Krise gestärkt hervorgeht. Wenn es einmal schon gelungen ist, dann wird es erneut
gelingen. Das ist meine Überzeugung. Eine Sache ist bis dahin wichtig: Wir müssen bis dahin
aufeinander Acht geben.

Her Ministerpräsident, wir danken Ihnen, dass Sie zu uns gekommen sind.